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Assassun: Retrofate (Review)

Artist:

Assassun

Assassun: Retrofate
Album:

Retrofate

Medium: CD/MC/Download
Stil:

Synthpunk, EBM, Industrial/Faux Rap

Label: Blackjack Illuminist Records
Spieldauer: 35:36
Erschienen: 19.09.2025
Website: [Link]

ASSASSUNs „Retrofate“ vertont die gesellschaftliche Schieflage unserer Zeit mit Hilfe von pumpenden Beats, kalten Synthies und einer fatalistisch bedrückenden Atmosphäre. Themen wie Einsamkeit im Kollektiv, der Verlust der eigenen Identität inmitten von politischem Lärm und persönlicher Stille prägen die Ästhetik und die Inhalte des Albums.


Dass die Musik voller Reibung und bedrückender Stimmung steckt, verwundert daher kaum. Und dennoch trifft einen das Gefühl von vertonter Klaustrophobie und trister Ausweglosigkeit unvermittelt und direkt wie ein Vorschlaghammer.
Stücke wie „At the Kiwi Crates“ spielen mit kühler Atmosphäre, elektronische Beats wirken wie Hammerschläge, während Alexander Leonard Donat in seiner unverkennbar kauzigen Manier rappt, singt und seine Texte stellenweise wie Anklageschriften rezitiert.


Titel wie „1995“ tragen dabei auch autobiografische Züge und berichten bei destruktiv-angespannter Atmosphäre von aufkeimender Teenager-Gewalt und einer inneren Ausweglosigkeit, die sich als Trauma bis hinein in die Gegenwart zieht. Eine erkennbare Auflösung bleibt das Stück schuldig, allerdings stimmen die kathartischen Anflüge des Sounds doch ein wenig versöhnlich.
Mit futuristisch anmutenden Synthesizern springt „Past/I N B E T W E E N/Future“ im Synthwave-Dreieck und transportiert post-apokalyptisches Feeling in Tanzmanier. Der persönliche Ruin lauert wohl in der Disko. „D.E.A.T.H.“ geht in seinem reduziert-aufreibenden Ansatz noch einen Schritt weiter. Die von Hall unterlegten Raps erzeugen eine klaustrophobische Stimmung, während sich verzerrte Beats und raffiniert orchestrierte Elektronik immer weiter verdichten, ehe „The Sons of the United Plagues“ abstrakt tanzbar klingt und Bilder vom letzten Tanz im örtlichen Darkroom heraufbeschwört.


Ganz nach dem Motto: Wenn schon draufgehen, dann im dichten Diskonebel. „Abysmalism“ setzt diese Stimmung fort, verändert aber den Kontext und führt weg von der Tanzfläche hin zu den Beton- und Glasbunkern der Großstädte, in denen die fleißigen Bürobienchen ihre Existenz fristen, ohne wirklich zu wissen, ob ihr Dasein einen Sinn hat. Mit derlei Ansätzen lassen sich auch literarische Parallelen zu Werken wie „Fight Club“ ziehen, in denen der innere Kampf des Individuums einen brutal-exzessiven Gewaltausbruch erfährt.
Die musikalische Entsprechung dessen folgt auf dem Fuße. Die monotonen Beats von „Off the Globe“ pulsieren zwischen dem Gefühl, eine innere Krise zu durchleben und gleichzeitig zu wissen, dass der eigene Geist diesem Umstand zu keiner Zeit gewachsen ist. Als Erlösung bleibt entweder aufzugeben oder Rückzug. „GATEKEEPER“ entscheidet sich für letzteres und entpuppt sich als verschrobener Trip zwischen Themen wie dem Stress digitaler Perfektion und realer Selbstaufgabe.


„The Concrete of Time“ wirkt in seiner bedachten Klangästhetik zunächst versöhnlich. Aber der Synthesizer-Klangteppich verdichtet sich langsam zu einer Selbstanklage, die das Gefühl, in der Gegenwart gefangen zu sein und in einer steten Wiederholung der eigenen Empfindungen, der eigenen Fehler und Erwartungen zu leben, angestrengter vertont, als es zunächst scheint.
Insofern bleibt auch die leise Hoffnung auf ein positiv gestimmtes Ende aus.


FAZIT: ASSASSUNs „Retrofate“ stellt existenzialistische Fragen, im Wissen, keine Antworten darauf liefern zu können. Die Alternative ist ein unterkühlt-aufreibender Disko-Sound zwischen eklektischen Beats, verschroben-distanzierter Stimmung und einem erheblichen Kauz-Faktor, der in gewisser Weise auch den Reiz dieses Projektes ausmacht. Tanzen in den Weltuntergang? Geht es nach ASSASSUN, lautet die Antwort: Ja!

Dominik Maier (Info) (Review 45x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Poisonalan
  • At the Kiwi Crates
  • 1995
  • Past/I N B E T W E E N/Future
  • D.E.A.T.H.
  • The Sons of the United Plagues
  • Abysmalism
  • Off the Globe
  • GATEKEEPER
  • The Concrete of Time

Besetzung:

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